Von meinen Kollegen in England werde ich immer wieder befragt, wie wir den Ferienhaustourismus in der Türkei einschätzen. Ich muss gestehen, dass ich persönlich ein großer Anhänger bin in der Türkei in einem Ferienhaus oder einer Villa Urlaub zu machen. Persönlich habe ich dies bereits vor mehr als 25 Jahren mit meiner Frau in einem kleinen Fischerort an der Ägäis ausprobiert. Damals war dies noch für deutsche Touristen völlig unbekannt. Wir fuhren mit unserem Auto durch ganz Europa 3 – 4 Tage lang. Als wir dort Urlaub machten, lernten wir die türkische Gastfreundlichkeit kennen. Wir verliebten uns schnell in dieses Land. In diesem kleinen Fischerdorf trafen wir aber kaum deutsche Urlauber. Schon damals wunderten wir uns ein bisschen darüber.
Als wir vor 2 Jahren wieder in der Türkei eine Villa mieteten, diesmal an der lykischen Küste zwischen Bodrum und Kac`, da viel mir erneut auf wie deutlich die Unterschiede der Reisegewohnheiten in Europa noch sind. In dem kleinen Fischerort in dem wir in einer luxuriösen Villa wohnten, deren Ausstattung und Lage nur mit den feinsten Adressen an der französischen Riviera zu vergleichen sind, fanden sich wunderbare Restaurants, aber fast kaum deutsche Urlauber. Wir trafen dagegen viele Engländer, Holländer und ein paar Skandinavier. Ein türkischer Gastwirt sprach mich auf Deutsch an und klagte mir sein Leid. Er habe Jahre in Deutschland gearbeitet und hier ein schönes Geschäft mit vielen Kunstgegenständen eröffnet, aber er trifft nur selten deutsche Urlauber. Er versteht das nicht...
Die Infrastruktur kann es auch nicht sein. Die Straßen direkt an der Küste führen bis nach Antalya und sind nicht nur meist neu gebaut, sondern ein wunderbares Erlebnis für sich selbst. Unsere Kinder genossen den Urlaub. Wir nutzten ausgiebig unseren eigenen Swimmingpool. Unsere Aussicht auf das Meer und die Berge im Hintergrund waren wie ein Traum. Manchmal legten wir uns auf die Terrasse und glaubten wir seien im Paradies. Unsere Schwiegereltern kamen mit dem Flugzeug nachgereist und waren absolut begeistert – das hatten sie nicht erwartet.
Trotzdem – keine deutschen Urlauber. Bei einem Abstecher nach Antalya bemerkten wir wo die Deutschen waren. Die gesamte Küste war bis weit in den Süden total überschwemmt von deutschen Gästen und jetzt auch vielen russischen Urlaubern. Wahre Zentren des Massentourismus mit all seinen Auswüchsen.
Wir wunderten uns aber warum die Engländer zwar auch hier zu treffen waren, nicht aber Deutsche in einer der Villen in den romantischen Fischerdörfern?
Kann es sein, dass die Engländer sich im nichteuropäischen Ausland aus ihrer Tradition heraus freier bewegen und fühlen als wir Deutsche? Kann es sein, dass uns Deutsche untergründige Ängste plagen, mit denen die Engländer selbstverständlicher oder auch selbstbewusster umgehen können? Irgendetwas muss es sein!
Jedenfalls trafen wir auf dem Flughafen eine Reisegruppe von Neckermann, die völlig überrascht waren, als wir auf ihre Frage in welchen Hotel wir wohnten antworteten: In keinem! Wir haben eine Villa mit eigenem Pool gemietet. Eine Frau aus Hamburg war völlig fasziniert von dieser Idee und „wusste nicht, dass es so etwas gab“. Sie wollte unbedingt unsere Adresse. Später buchte sie bei NOVASOL ein ähnliches Ferienhaus – an der Ägäis.
Bernd Muckenschnabel