Der deutsche Minister für Verkehr und die Entwicklung Ostdeutschlands hatte das gesamte Management der Touristik in Ost- und Westdeutschland zu einer Konferenz eingeladen. Als einzigen Ferienhausanbieter wurde dazu, zum ersten Mal, auch NOVASOL eingeladen.
Ziel der Konferenz war es Wege zu finden, um in der Zeit der Krise ausländische Urlauber nach Ostdeutschland zu bringen. Manchmal kommt mir dabei der Gedanke, dass diese Initiative mit dem Wahlkampf für die Bundestagswahlen zu tun hat. Aber die Stoßrichtung dieser Konferenz war richtig und gut. Ostdeutschland bekommt blühende Landschaften. Der Anteil ausländischer Touristen liegt immer noch bei ca. 50% von den Urlaubern, die man in Westdeutschland hat. Hier ist Platz für viel Innovation.
Interessant waren die Vorträge z.B. von Professor Feige. Er hat analysiert, dass ausländische Urlauber weniger an den klassischen Badeurlaub interessiert sind. Sie suchen mehr das Land im innern. Sie möchten das Hinterland entdecken. Viele suchen Ferienhäuser in Feriendörfern.
Er zeigte aber auch, dass Ostdeutschland schon heute Westdeutschland in Bezug auf Qualität, Gastronomie und Erlebniswert eingeholt hat. Als Beispiel nannte er u. a. Tropical Islands.
In der Pause las ich zufällig das Interview des SPIEGELS mit der ehemaligen ostdeutschen Schriftstellerin Monika Maron. Sie wurde vor ca. 35 Jahren bekannt, weil sie die völlige Zerstörung der Umwelt in der thüringischen Stadt Bitterfeld bekannt machte. Der Ort wurde durch Chemie und Braunkohlewerke derart verdreckt, dass die Menschen fast daran erstickten. Bis heute ist der Name Bitterfeld negativ behaftet. Monika Maron wurde damals in der DDR für das bekannt machen dieser Informationen verfolgt.
Jetzt war sie wieder in Bitterfeld und wurde derart positiv überrascht, dass sie ein neues Buch darüber geschrieben hat. Dieser Ort hat heute einen Vorbildcharakter und ist zum Standort der größten europäischen Solarentwicklungsfirmen geworden.
Ein typisches Beispiel, wie innerhalb nur einer Generation sich ganze Landschaften und Städte völlig verwandeln und es niemanden erreicht. Bis auf wenige Orte ist Ostdeutschland weiter ein „unbekanntes Land“ mit viel Entwicklungspotenzial.
Doch das Problem ist heute anders gelagert. Heute erstickt die Entwicklung von neuen touristischen Projekten nicht mehr an der veralteten Industrie und Umweltverschmutzung, sondern an der alten und neuen Staatsbürokratie. Aber eben die Vertreter dieser „neuen touristischen Staatsbürokratie“ waren alle dort in Berlin versammelt und haben sich selber gefeiert.
Die Probleme der Hauseigentümer, der vielen Initiativen, die etwas Neues entwickeln, kamen dort leider nicht zur Sprache.
· Ostdeutschland hat weiter eine geringe Auslastung bei Unterkünften.
· Ostdeutschland fehlen ausländische Touristen und westdeutsche Urlauber.
· Auf den ausländischen Märkten ist Ostdeutschland kaum vertreten. Wenn NOVASOL mit den offiziellen Ämtern die Kooperation sucht, gibt es kaum Kooperationsbereitschaft.
· Die demografische Entwicklung verbleibt weiter negativ.
Aber weder NOVASOL noch die vielen Initiativen in Ostdeutschland lassen sich davon abschrecken. Neue Wege müssen gefunden werden! Die Konferenz hat zwar eine Debatte dazu angestoßen, doch bleibt alles noch sehr an der Oberfläche – es wird vor dem Wahlkampf noch mal auf die Pauke gehauen.
Mit freundlichen Grüßen,
Bernd Muckenschnabel