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Die Geschichte Belgiens

Im Mittelalter und in der Renaissance war Flandern aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht eines der wohlhabendsten Gebiete in Europa. Nachdem sich die nördlichen Niederlande im 17. Jahrhundert unter Willem von Oranje von der spanischen Vorherrschaft befreit hatten, begann für Flandern eine Periode des ökonomischen Niedergangs.

Das Gebiet des heutigen Belgiens blieb länger unter spanischer Herrschaft als die Niederlande und bekam es danach mit den Habsburgern aus Österreich und Napoleon im Namen Frankreichs zu tun. Von 1815 bis 1830 gehörte das Land zum Vereinigten Königreich der Niederlande und wurde nach einem kurzen Aufstand unabhängig.

Die Aufstellung der belgischen Verfassung lag hauptsächlich in den Händen des französischsprachigen Bürgertums; Französisch war dann auch die einzige Sprache, die offiziell anerkannt wurde. Dies waren die ersten Probleme im immer noch aktuellen Sprachenstreit zwischen Flamen und Wallonen. Durch das „Gleichheitsgesetz“ aus dem Jahre 1898 ist auch Niederländisch offiziell anerkannt worden.

Durch den Steinkohleabbau und die Metallindustrie erlebte Wallonien im 19. Jahrhundert ein starkes Wirtschaftswachstum. In den von zunehmendem Nationalismus geprägten Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts konnte auch Belgien dem Ersten Weltkrieg von 1914-1918 nicht entrinnen, der mit dem Waffenstillstand beendet wurde.

Die Spuren, die der Krieg hinterlies, waren gravierend, vor allem in den Ardennen. Im Vertrag von Versailles aus dem Jahre 1919 wurde Belgien das deutschsprachige Gebiet Eupen-Malmedy zugesprochen. Die 20er Jahre waren unruhige und wirtschaftlich schlechte Zeiten, was dazu führte, dass es zum Zweiten Weltkrieg (1939-1945) kam.

Während des Wiederaufbaus wurde unter dem Druck der aufflammenden Spannungen zwischen dem niederländisch-sprachigen Flandern und dem französischsprachigen Wallonien ein Prozess der Dezentralisierung und Devolution in Gang gesetzt.

Fünf Verfassungsreformen in der Periode zwischen 1970 und 2002 führten zu einer föderalen Staatsstruktur, in der viele Zuständigkeiten von der Zentralregierung auf Regionalregierungen übertragen worden sind.

Parallel zum Wiederaufbau profitierte Belgien auch von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Rahmen der EWG und blieb das Land den USA und der NATO treu. Momentan ist Brüssel neben der belgischen auch die europäische Hauptstadt und das Europaparlament hat hier seinen Sitz. Die Einführung des Euros 1999, die den Abschied vom eigenen Franc bedeutete, vereinfachte den Handel.

Die wirtschaftlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Norden und Süden stellen allerdings auch im heutigen Belgien noch immer ein großes Problem dar, wobei Wallonien mehr europäische Fördermittel benötigt und Flandern wirtschaftlich besser entwickelt ist.