Auf dem 1. Meeting mit Verkaufsleitung und Marketing nahmen wir uns die im Dezember erschienen Analyse des LEIF-Instituts in Leipzig vor. Diese Studie sollte nach fast 20 Jahren seitdem die Mauer gefallen war, untersuchen wie die Menschen heute über Urlaub in einem Ferienhaus denken, was ihre Wünsche und was ihre Kritiken sind. Nicht zuletzt aber sollte auch eine repräsentative Untersuchung über den Bekanntheitsgrad von NOVASOL, dansommer und von anderen Ferienhausanbietern durchgeführt werden.
In der publizierten offiziellen Öffentlichkeit gibt es kaum irgendwelche Untersuchungen darüber. Ja es gibt sogar nicht einmal ein sogenanntes "öffentliches Bewusstsein" in den Medien zu diesem Themenkomplex. Ferienhaustourismus existiert es im Gegensatz zu fast allen europäischen Ländern in Deutschland weder in den Medien und schon gar nicht in der offiziellen Politik und in den offiziellen Statistiken. In vielen Ländern ist dieser Komplex des Ferienhaustourismus nicht nur ein Wirtschaftsfaktor. Er ist auch ein wichtiger Bestandteil der Erhaltung lokaler Kulturen, des Handwerks und insgesamt für das Leben auf dem Lande. Nur in Deutschland hat man sich offenbar darauf festgelegt, dass man das Thema im Gestrüpp von Tourismusämtern vernachlässigen kann.
Die Studie die wir beim LEIF-Institut in Auftrag gegeben haben ist deshalb umso mehr eine wahre Schatzkiste für jeden Menschen der sich für dieses Thema interessiert. Doch erst einmal hat uns alle bei NOVASOL natürlich interessiert wie hoch unser Bekanntheitsgrad im Laufe der letzten 20 Jahre in den neuen Bundesländern gestiegen ist.
Seit ca. 35 Jahren ist NOVASOL in Deutschland tätig, erst in Lübeck und dann in Hamburg. Sofort nach dem Fall der Mauer, noch bevor praktisch die Wiedervereinigung vollzogen war, etablierten wir ein eigenes Netzwerk, bildeten neue Mitarbeiter aus und bauten ein Vertriebsnetz auf. Schon auf der 1. ITB nach dem Fall der Mauer präsentierten wir unseren ersten Ferienhaukatalog für Kunden aus der ehemaligen DDR. Wir stellten eine Reihe von Häusern vor, die nicht nur preisgünstig waren, sondern auch mit dem Trabi leicht erreichbar, ja so zu erreichen waren, dass sie das Tanken im westlichen Ländern sparen konnten. Dieser Katalog war ein riesiger Erfolg und überzeugte damals alle dänischen Kollegen und den damaligen Eigentümer Frederik Heegaard.
Nach 20 Jahren zeigt die Studie von LEIF das wir heute den höchsten Bekanntheitsgrad aller Ferienhausunternehmen haben: Ganze 44% der Bevölkerung kennen heute schon NOVASOL. Danach folgt dansommer mit 29%. Alle anderen Anbieter folgen unter viel geringeren Zahlen. Allein in den letzten 3 Jahren seit 2006 hat NOVASOL über 10% dazu gewonnen. Das sind stattliche Ergebnisse auf die alle Kollegen sehr stolz sind.
Liebe Kollegen, sehr geehrte Gäste, meine Damen und Herren,
zunächst einmal ein persönliches Dankeschön dafür, dass ich hier für unsere beiden Unternehmen NOVASOL und dansommer in meiner Eigenschaft als leitender Direktor auf dieser Generalversammlung diese Rede halten darf.
Diese Generalversammlung steht ganz im Zeichen der globalen Finanzkrise die inzwischen fast jeden Winkel der Welt und jeden Wirtschaftszweig erfasst hat. Auch unsere Branche kann nicht umhin kommen, die Auswirkungen spüren zu bekommen. Wer da versucht den Hauseigentümern etwas anderes zu erzählen der verliert schon an Glaubwürdigkeit bevor er auch nur seinen zweifelhaften Satz fertig gesprochen hat.
Aber natürlich wird es Unterschiede geben:
-Wer es versteht sich der Krise anzupassen, der wird diese Zeit besser überstehen können
-Wer breiter aufgestellt ist -
-Wer auf den verschiedenen Märkten nahe an seinen Kunden ein starkes Netzwerk etabliert hat –
-Wer auf den Märkten vernünftige Margen und Preise durchsetzen kann –
-Wer den Hauseigentümern und unseren Gästen ein gutes Produkt und guten Service bieten kann –
der hat auch diese Krise nicht zu befürchten.
Wer aber glaubt davon profitieren zu können, das er den Hauseigentümern und den Gästen einbilden zu können, billige Miet-Preise seien das Allheilmittel – der hat schon die halbe Schlacht verloren.
Dänemark ist nicht Albanien! Darauf können wir stolz sein – und das wird uns jeder Kunde bestätigen können. Sicherheit und Service – Qualität und hohe Standards verbieten es auf der Schiene von Billigpreisen zu fahren!
Ich sage diese Worte hier, weil ich weis, dass das Gift des Preisdumpings umhergeistert und bei einigen Kollegen schon wie eine Droge wirkt.
Wir können zwar nicht die Preise wesentlich in Krisenzeiten erhöhen – doch sollte zumindest unser Ziel sein, dass wir unsere Preise halten können!
Doch nun zu etwas grundsätzlichen – Wir sollten uns die Frage stellen: Wie kommt es eigentlich, dass es gerade in Dänemark gelungen ist den Ferienhaus-Tourismus zu einer solchen Blüte zu bringen, wie man sie nicht ein 2. Mal in Europa finden kann? Ich glaube, dass dies den wenigsten in Dänemark überhaupt bekannt ist. Ich erinnere mich an einer Umfrage vor vielen Jahren, wo man einmal die Deutschen fragte, welche Wörter sie am ehesten mit Dänemark verbinden würden? Dies war nicht Røde Pølser oder Danish dynamite wie es gerne viele Dänen glauben würden. Es war der Begriff „Ferienhäuser“!
Als ich als junger Mann mich in Dänemark niederließ, da machte ich das erste Mal Urlaub in einem Ferienhaus auf Falster bei Stubbeköbing. Dieser Urlaub hat mein Leben faktisch verändert. Seitdem war ich glühender Anhänger von Urlaub in einem Ferienhaus! Hotelurlaub in Spanien war mir eine Last. Ich fühlte mich einfach nicht mehr wohl im Urlaub mit all diesen Massen und Regularien und „Rumgehüpfe“. Alles andere als Ferienhausurlaub war einfach anstrengend!
Ich kenne viele Deutsche die so denken. Aber ich kenne auch viele Deutsche und Dänen die absolut das Bedürfnis verspüren sich selbst und ihren Wohlstand im Urlaub zur Schau zu tragen. Doch sollte dieses Bedürfnis im Laufe der Krise etwas zurückfallen....
Wenn ich von einer einzigartigen Blüte des Ferienhaustourismus in Dänemark spreche, dann weis ich wohl von was ich spreche. Die NOVASOL-Gruppe ist mit fast 10.000 Ferienhäusern nicht nur führend in Dänemark selber. Schon frühzeitig hat der Gründer von NOVASOL Frederik Heegaard die Weichen gestellt und von uns verlangt das „dänische Modell“ nach ganz Europa zu tragen. Heute verfügen wir über 26.000 Ferienhäuser in ganz Europa. Dadurch aber kennen wir auch die Stärken und Schwächen des Ferienhaustourismus in jedem Land.
Dänemark ist nur ein kleines Land, doch im Ferienhaustourismus nimmt es eine Spitzenstellung in Europa ein.
- Zwischen 60-70% beträgt der Ferienhaustourismus Anteil am Auslandstourimus
- Ein Milliarden Umsatz kommt über den Ferienhaustourismus nach DK
- Dies trägt erheblich zur Handels Balance der dänischen Nationalökonomie bei.
- Durch den Ferienhaustourismus wird wesentlich zur Stützung der Wirtschaftsstrukturen auf dem
Lande beigetragen und die Landflucht begrenzt.
Dies sind nur einige der wesentlichen positiven Beiträge des Ferienhaustourismus für die dänische Gesellschaft.
Wenn wir Europa in Zonen einteilen würden, dann müssten wir Norwegen und Schweden zur Zone der „verlängerten sibirischen Wildnis“ zuordnen. Hier ist es kaum möglich Service auf einem höheren Niveau zu organisieren. Die Länder sind zu groß – die Besiedlung zu gering.
Die Zone Mitteleuropas müsste man in 2 Teile aufsplitten: 1. die holländischen Mega-Ferienparks und die osteuropäischen Ferienhausdestinationen die immer noch unter den Lasten der Sowjetzeiten leiden. Dazwischen gibt es Tausende von Ferienwohnungen, die in einer Zeit der wachsenden Individualisierung immer unattraktiver werden.
Im Südeuropa dagegen erreichen die Werte von individuellen Häusern und Villen Spitzenpositionen in der Vermietung und im Verkauf als Immobilie. Doch auch hier gibt es nur ein sehr begrenztes Potenzial. Die Preise sind relativ hoch.
Inmitten dieser Zonen Europas liegt Dänemark als „die Oase der Menschen, die im Ferienhaus die Ruhe und Erholung suchen“.
Hier gibt es relativ großes Potenzial an Ferienhäusern, hier gibt es eine klare Gesetzgebung, hier gibt es Servicesystem und hier gibt es eine Art „Ferienhauskultur“.
Wenn wir uns also fragen wie und wo Dänemark im Tourismus positioniert ist, dann ist es eben genau diese einzigartige Position als Ferienhaus-Oase.
Deshalb sollte es die höchste Aufgabe der dänischen Autoritäten sein, diesen Status noch stärker auszubauen und zu unterstützen. Keinesfalls aber sollte Dänemark darin verfallen aufgrund von Krisenerscheinungen andere Touristikmodelle zu kopieren.
Aber natürlich gehen die Zahlen für den Ferienhaustourismus seit einigen Jahren langsam zurück oder stagnieren. Warum aber? Schon mehrmals haben wir versucht diese Frage zu untersuchen. Ich erinnere mich an die berühmte Studie „Den tyske udfordring..“
Letztendlich zeigte sich in den letzten Jahrzehnten folgendes:
- Entweder war es der negative Einfluss der von der Stagnation Deutschlands infolge der Wiedervereinigung ausging und
zu einem dramatischen Fall der Kaufkraft über eine Periode von 12 Jahren in Deutschland führte.
- Oder es war der negative Einfluss des Wirtschaftsbooms in Dänemark in deren Folge die Kosten und die Preise
insbesondere der Immobilien in Dänemark explosionsartig anstiegen und es für deutsche Urlauber schwer machte mit zu
halten.
In beiden Perioden kam es zu großen Schwankungen für den Ferienhaustourismus. Der deutsche Anteil entwickelte sich negativ der dänische dagegen positiv. Sobald aber sich in Deutschland wieder Erholungszeichen zeigten wie z.B. in der Periode von 2006-2008, dann stieg der deutsche Anteil erneut.
All dies aber unterliegt mehr oder weniger natürlichen Konjunkturschwankungen, die vom markt periodisch von selbst korrigiert werden. Die jetzige Krise in Dänemark ist ebenfalls eine gewisse Korrekturphase die die aufgeblasene und überhitzte Hochkonjunktur wieder korrigiert.
Dies allein erklärt noch nicht genug den Rückgang des Ferienhaustourismus.
Die wesentliche Triebkraft des Ferienhaustourismus ist die Initiative des einzelnen Bürgers selber, der ob selber Angestellter oder Selbstständiger, Lehrer oder Handwerker ein „selbstständiger Eigentümer“ wird, indem er sich ein Ferienhaus kauft und dieses dann für den Markt herrichtet um es zu vermieten. Dieses ganz eigentümliche dänische System macht aus Hunderttausenden „abhängigen Lohnsklaven“ – wenn wir es in marxistischen Kategorien beschreiben würden – zu selbstständigen Unternehmern. Oder wie es die Amerikaner nennen würden – hier ist es den Dänen gelungen eine Art von „privat ownership-kultur“ zu entwickeln.
Der durchschnittliche Däne betrachtet dieses Ferienhaus als eine Art Refugium für die eigene Seele, als Brücke zwischen Stadt und Landleben und als eine Art „Aufsparung“ für die Rente oder aber um in etwas zu investieren, um es später wieder zu verkaufen.
Der dänische Staat, der wie alle Staatsapparate ein Monster mit 2 Gesichtern ist, hat hier den Bürgern erlaubt sich selber nicht nur ein Refugium für die Seele einzurichten, sondern auch für seine Eigeninitiative.
Doch der Staat wäre kein Staat, wenn er nicht bei jeder Gelegenheit darauf aus wäre, diesen Freiraum in der Gesellschaft wieder an die Kette zu legen, wieder mit neuen Steuern und Abgaben zu belegen und an die Kette zu legen. Hier liegt der Kern des Problems!
Es ist gelungen ein einzigartiges gesellschaftliches Modell in Dänemark, um das Ferienhaus herum zu schaffen, dass es den einfachen Bürger erlaubt sich frei zu entfalten und sogar ein kleines bisschen Unternehmer zu sein – dass ist das eigentliche „Dänische Modell“! Das ist es was Dänemark einzigartig macht.
Doch diese Freiheit ist in Gefahr! Durch Besteuerung und Abgaben, die völlig aus der Balance gefallen sind wird es uninteressant sein Ferienhaus zu vermieten oder aber darin zu investieren! In dessen Folge gibt es weniger Ferienhäuser auf dem Markt für die Vermietung und die Preise steigen weiter an, die wiederum der Mietermarkt ablehnt (vor allem der deutsche Markt).
Ich bin nicht befugt als nicht-Staatsbürger Dänemarks hier einen Ratschlag zu erteilen. Jeder Däne weiß mehr über die komplizierten Steuer und Abgabensysteme als ich.
Doch wenn man aus dieser globalen Finanzkrise heraus will, dann reicht es nicht nur den Banken jeden Wunsch zu erfüllen, oder aber ein bisschen Steuerermässigung durchzusetzen.
Entscheidend wird es sein, ob es uns gelingt nicht nur in Dänemark – am Fundament unserer Gesellschaften anzusetzen und Freiraum für die Eigeninitiative der Bürger zu schaffen. Der Besitz und die Vermietungsbedingungen von Ferienhäusern ist solch ein Freiraum. Hier wird ein Teil der gesellschaftlichen Initiative und Kultur geboren, die für die gesamte Gesellschaft von größtem Wert ist.
In gewisser Weise geht es hier um das Laboratorium einer Gesellschaft, indem seine Kultur und sein Geist für die freie Initiative gezüchtet werden.
Deshalb ist Ferienhaustourismus so wichtig! Deshalb ist Ferienhaustourismus eine gesellschaftliche Aufgabe von enormer Bedeutung.
Danke
Bernd Muckenschnabel